Augen, Nase, Doppelkinn

13. Januar 2010

Nach diesem Ausflug zur eher theoretischen Seite des Facebook-Lebens muss ich nochmal zurückkehren an eine praktische Baustelle: das Profilbild. Ich will eins haben, und es muss nicht cool aussehen, so weit war ich schon. Aber dann…

Man sollte meinen, es gäbe genug Bilder von mir, sind ja auch hin und wieder welche in der Zeitung. Aber  bei Facebook geht’s ja nicht nur um die Redakteurin aus der Kommentarspalte der Oberhessischen Presse. Da geht’s um um die private Sabine. Wo ist die? In meinem Fotoalbum wimmelt es von Kinderfotos, Tannenbaum-Fotos, Mann-am-Strand-Fotos. Weil sich alle Fotos, auf denen ICH zu sehen bin, einer rigorosen Zensur unterziehen müssen: Nur die, die mir wirklich gefallen, kommen ins Album. Also keins.

Na gut, ich schneide meine Visage aus einem der Zeitungsfotos aus und lade sie hoch. Das Ergebnis ist schockierend. Wie sehe ich denn aus?! Möchte man auf die Freundschaftsanfrage eines Menschen eingehen, der so grimmig lächeln kann wie ich? Bestimmt nicht.

Außerdem schneidet Facebook nach mir nicht sofort ersichtlichen Kriterien ein Quadrat aus dem hochformatigen Bild aus, sodass es nur meine Augen und die Nase ins Netz schaffen. Das Doppelkinn-Problem wäre damit elegant umgangen – aber glücklich macht mich das nicht.

Mitten in der Nacht fällt es mir dann ein: Auf der Speicherkarte in meiner Kamera müssten noch unzensierte Urlaubsfotos sein. Bingo, mein Profilbild ist gefunden. Absolut privat, fast ohne Doppelkinn und soo freundlich. Die Herzen werden mir zufliegen.

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Muss das Foto cool sein?

8. Januar 2010

Fehlt nur noch eins: das Profilbild, mit dem ich für alle Nutzer erkennbar werde. Schon ein flüchtiger Blick auf die vielen Fotos von Menschen, die Facebook mir als Freunde ans Herz legen möchte, lässt mich ahnen: Ich bin der einzige Mensch weit und breit, der im Alter von 36 Jahren immer noch nicht auf wenigstens ein professionelles Fotoshooting zurückblicken kann.

Überall stoße ich auf bedeutungsschwanger ins Leere schauende Menschen in coolen Lofts, auf stillgelegten Bahngleisen oder in unfassbar großen Ansammlungen von Schnittblumen. Gern auch in Schwarz-Weiß oder in Sepia-Tönen.

Sollte man das tun? Sollte man zu einem Fotografen seiner Wahl gehen und mit den verwegen herausgepressten Worten „Fotos. Von mir. Sollen aber nichts aussehen wie ich!“ einen Wochenlohn auf den Tresen legen? Als wäre man 16 und würde darauf hoffen, von einem Modedesigner entdeckt zu werden?

Oder ist es vielleicht sowieso besser, kein Bild hochzuladen, um anonym zu bleiben? Nachdem ich in Facebook die Namen diverser Ex-Kollegen, Ex-Schulkameraden und Ex-Freunde eingegeben habe und dann jeweils auf eine ganze Liste von Menschen – ohne Foto und damit leider nicht identifizierbar – stieß, die diesen Namen tragen, habe ich mich dagegen entschieden.

Wenn auch ohne Beauty-Shooting: Foto muss schon sein. Ich will ja schließlich auch gefunden werden von meinen Ex-Freunden.