Ich bin gegen dem Atom und so

17. März 2011

Politisch sein ist so einfach, seit es Facebook gibt. Zum Beispiel die Atomkraft-Debatte, wieder angeheizt durch die schrecklichen Ereignisse in Japan: Während es im echten Leben ein bisschen Überwindung kostet, einen „Atomkraft? Nein Danke!“-Button an der Jacke zu tragen (zumal für Journalisten, denn wir fühlen uns ja der Neutralität verpflichtet), fällt es in Facebook viel leichter. Ist ja irgendwie privat, denkt man sich so. Was absurd ist, denn was ist öffentlicher als das Internet?

Aber Facebook verleitet ja sowieso immer wieder zu schizophrenem Verhalten: Man macht Leute zu seinen Freunden, die man kaum kennt oder kaum mag, man schreibt Dinge, die man bestimmt nicht einem Fremden im Bus erzählen würde, und man sitzt morgens, mittags und abends vor dem Rechner, obwohl man seinen Kindern predigt, dass frische Luft gesund und toll ist.

Doch Schizophrenie hin und her, ich habe es trotzdem getan – besser ein virtuelles Bekenntnis, als gar keines. Also habe auch ich meinem Profilbild einen Anti-Atomkraft-Button verpasst mit dem Link http://www.facebook.com/apps/application.php?id=127528613970751 Und schon fühle ich mich vorbildlich politisch aktiv, ohne auch nur ein einziges Mal von meinem Stuhl aufstehen zu müssen. Irgendwie bedenklich, oder?


In der Schaffenskrise

10. März 2011

Kaum habe ich mir vorgenommen, jede Woche einen Post zu schreiben, schon fällt mir nix mehr ein. Ich kann mit diesem öffentlichen Druck nicht kreativ sein, fürchte ich. Zur Auflockerung entringe ich meinem gehemmten Hirn ein Gedicht:

Die Redakteurin sitzt am Tisch
und fühlt sich weder fit noch frisch.
Denn ihr Gehirn ist öd und leer,
da hilft ihr auch kein Facebook mehr.

Ach, ich gebe ein jammervolles Bild ab. Ich brauche eure Themenvorschläge. Sonst gibt es hier bald wieder ein Gedicht, und das wollen wir doch alle nicht. Was sich schon wieder reimt. Beängstigend.


Quatsch mich nicht an

3. März 2011

Die Chatbox unten rechts fand ich zu meinen Facebook-Anfangszeiten ganz toll. Sie zeigte mir an, wer von meinen Freunden gerade online war. Und manchmal poppte sie auch plötzlich auf und begann mit mir zu sprechen. Naja, nicht direkt die Box, aber jemand von meinen Freunden, der auch gerade online war. Da ergaben sich tolle Gespräche mit lustigen Wendungen und ungeahnten Erkenntnissen. Das war Stufe 1.

Stufe 2 war, als die Chatbox anfing, mich ein bisschen zu nerven. Kaum war ich mal für zwei Minuten online, um kurz zu gucken, was so los ist, schon wurde ich angechattet, und leider nicht immer von denjenigen, mit denen ich gerade ein Schwätzchen halten wollte. Nachdem mich das eine ganze Weile so begleitet hatte und ich langsam tolle Strategien für das Beenden ungewünschter Online-Unterhaltungen entwickelt hatte, begann ich Stufe 3 herbeizusehnen: die schweigende Chatbox. Wie so viele Dinge auf Facebook lässt sie sich einrichten, wenn man nur weiß wie.

Stufe 3: Chatbox offline stellen
. So geht’s: Am oberen Rand der Chatbox gibt es die Wörter „Freundeslisten“ und „Optionen“. Klicke ich auf „Optionen“, bietet mir das Menü, das dann aufklappt, verschiedene Möglichkeiten an. Die oberste heißt „Offline gehen“. Klicke ich darauf, dann kann mich keiner mehr anchatten. Ich kann allerdings auch nicht mehr sehen, wer gerade online ist. Genau wie andersherum: Meine Freunde wissen jetzt nicht mehr auf einen Blick, ob ich gerade in Facebook bin. Wie schön.


Post a Week: ein guter Vorsatz

24. Februar 2011

Ich muss hier eine kurze Erklärung in eigener Sache einschieben, der guten Ordnung halber. Also, „Post a Week“, das ist so eine Art guter Vorsatz bei Word Press (dem Blogging-Portal, auf dem ich mich seit über einem Jahr zum Thema Facebook auslassen darf). Guter Vorsatz ist jetzt mein ungeholfener Übersetzungsversuch von „Challenge“, wie es im Original heißt. Ist halt eine amerikanische Software.

Challenge, das kennen wir ja von Heidi Klums hoffnungsvollen Topmodels. Man könnte auch sagen: Aufgabe, Wettbewerb oder Kampfansage. Also, es geht in diesem Falle nicht darum, in einem Brautkleid durch den Ärmelkanal zu schwimmen und dabei cool und sexy auszusehen. Sondern darum, mindestens einmal pro Woche einen Blog-Beitrag zu schreiben. Und damit man das auch wirklich tut, meldet man sich bei der „Challenge“ an und teilt allen Menschen mit, dass man dabei ist. Das erhöht den sozialen Druck und damit die Erfolgsaussichten 😉

Also, liebe Leute: Ich schreibe hier jetzt jede Woche was zum Thema Facebook. Das ganze Jahr lang. Damit ich das auch wirklich schaffe, brauche ich euch: Schreibt mir Kommentare, liefert mir Anregungen, stellt mir Fragen! Damit es nicht am Ende des Jahres heißt: Challenge vergeigt, für dich habe ich heute kein Foto…


Das ist doch kein Umgang für dich

17. Februar 2011

Das Leben ist Veränderung. Facebook erst recht. Das Neueste: Ich (und ihr auch, liebe Facebookisten!) bekomme jetzt nur noch Statusmeldungen von denjenigen unter meinen Freunden angezeigt, „mit denen ich am meisten interagiere“, wie Facebook das nennt. Sprich: Die weniger Mitteilsamen unter meinen Bekannten – diejenigen, die selten was schreiben, nie kommentieren und auch sonst eher zurückhaltend sind – die fallen raus. Falls sie doch mal was schreiben (und das kommt ja auch bei stillen Wassern gelegentlich vor) wird Facebook es mir nicht zeigen. Denn ich interagiere ja so selten mit ihnen.

Ich bin mir nicht sicher, warum Facebook das mit uns tut. Sollen wir zu nervigen Plaudertaschen erzogen werden, die stets und ständig mit allem und jedem „interagieren“, nur um nicht den Kontakt zu verlieren? Zum Glück gibt es einen Ausweg aus dieser Vereinsamungsfalle: Wenn ich auf meiner Startseite ganz nach unten scrolle, dann sehe ich da in der rechten Ecke des grauen Balkens die blaue Schrift „Optionen bearbeiten“. Darauf muss ich klicken. Leider muss man hier verteufelt schnell sein. Denn die Seite lädt sich ständig neu, wenn das untere Ende erreicht ist. So bleibt das Ende nie lange das Ende, und das Klickfeld verschwindet immer wieder nach Noch-weiter-unten. Aber irgendwann schaffe ich es dann, auf „Optionen bearbeiten“ zu klicken. Dann öffnet sich das Fenster „Bearbeite deine Newsfeed-Einstellungen“, und dort muss ich die Einstellung bei „Zeige Beiträge von:“ ändern in „allen deinen Freunden und Seiten“. Noch ein Klick auf „Speichern“. Schon hat die Newsfeed-Diät ein Ende.

P.S.: Für Leute wie uns Online-Journalisten ist diese Änderung übrigens besonders unschön. Denn die wenigsten „Fans“ unserer OP-Seite kommentieren ja, was wir dort schreiben. Damit fallen wir automatisch in die Kategorie der Seiten, mit denen sie nicht oft genug interagieren – und wir können sie nicht mehr auf dem Laufenden halten. Also: Wollt ihr wissen, was in Marburg-Biedenkopf los ist, dann ändert diese Einstellung. Ihr wisst schon, am Ende der Seite…