Geh weg, ich mag dich nicht mehr!

17. Februar 2010

Gut zwei Monate bin ich nun bei Facebook, und es kommen erste Zweifel auf, ob ich bei der Wahl meiner Freunde immer so ein glückliches Händchen hatte. Da gibt es welche, die lassen mich und den Rest der Welt jeden einzelnen ihrer Schritte in Farmville wissen. Jedes Mal, wenn sie etwas auf ihre virtuellen Felder gepflanzt haben, bitten sie öffentlich um Dünger. Jeder nutzlose Blumenstrauß, der ihnen auf ihren Ländereien in die Hände gerät, wird öffentlich feilgeboten. Jede alberne Auszeichnung, die sie bekommen – und davon gibt es wirklich viele in Farmville – wird „geteilt“, wie Facebook das nennt.

Dann gibt es andere Freunde, die ebenso penetrant jeden ihrer Schritte im wirklichen Leben mit der Facebook-Gemeinde teilen. Das kannte ich ja schon von Twitter, aber da konnte man leichter einfach drüber hinweglesen. Naja, und außerdem, wie sagte es gestern Abend der junge Mann im Bus so treffend: „Die schreiben den letzten Mist. Aber wenn’s da schon steht, dann will ich’s ja irgendwie auch wissen.“

Und wenn ich das nicht mehr will? Dann kann ich mich ganz heimlich und diskret von den nervigen Freunden verabschieden – und hoffen, dass sie’s gar nicht merken: In meinem Profil lasse ich mir unter „Freunde“ auf der linken Seite „alle anzeigen“. Dann suche ich mir den raus, den ich nicht mehr haben will, und klicke in der Zeile auf das Kreuzchen ganz rechts. „Verbindung entfernen“ nennt Facebook diesen Schritt des Verstoßens ganz nüchtern. Fragt auch vorsichtshalber nochmals nach: „Bist du sicher, dass du deine Verbindung mit XY entfernen möchtest?“ Ich gehe kurz in mich, denke an all die Farmville-Blumensträuße, die mir entgehen, und klicke frohgemut auf „Entfernen“. Heimlich, still und leise verschwinde ich von der Freundesliste des Geschassten, ebenso wie er von meiner. Es gibt keine Benachrichtigung, kein durchgestrichenes Profilfoto, gar nichts. Tschühüß!

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