Wo man Kühe geschenkt bekommt

31. Januar 2010

„Facebook – das ist doch das, wo man Kühe geschenkt bekommt?“, sagte unser Sportchef, als er von meinem Blog-Thema  hörte. Womit wir beim Lieblings-Zeitvertreib vieler Facebook-Nutzer wären: den Spielen, die man dort spielen kann.

Im Falle der geschenkten Kühe ist es „FarmVille“. Mein erster Kontakt kam über eine Einladung zustande: Ein Freund lud mich ein, dabei zu sein: „Howdy friend! Come be my friend in FarmVille, where you can grow delicious fruits and vegetables on your very own farm!“ Leckeres Obst und Gemüse auf meinem eigenen Land anbauen, das war schon immer mein „Plan B“. Also nix wie hin nach Farmville.

Dort war ich allerdings zunächst vollkommen unterfordert: Ich kannte nur Computerspiele, bei denen man schnell sein muss, Reaktionsvermögen demonstrieren, Geschicklichkeit, Nervenstärke, vielleicht Intelligenz. Nichts davon ist bei Farmville gefragt. Nur Englischkenntnisse sollte man mitbringen, denn das Spiel kann kein Deutsch.

Zum Gedudel einer Easy-Listening-Countrymelodie kann man mit unzähligen Mausklicks in aller Ruhe umgraben, pflügen, säen, ernten und dabei immer reicher werden. Langweilig? Absolut. Aber trotzdem hat das Spiel eine ungeheure Faszination, weil es so viele Dinge gibt, die man ausprobieren kann. Weil die Tiere, die man sich anschafft, putzige Geräusche machen und sich mit vielen roten Herzchen darüber freuen, wenn man sie streichelt. Und vor allem, weil das Spiel eine große gesellige Komponente hat: Diejenigen unter meinen Facebook-Freunden, die sich wie ich zum Online-Farmer berufen fühlen, kann ich zu meinen Nachbarn machen. Jeden Tag kann ich jedem von ihnen ein Geschenk machen – womit wir bei den geschenkten Kühen wären. Und dann kann ich ihre Höfe besuchen, schauen was sie so anbauen, ihnen beim Jäten und Düngen helfen und dafür sogar „Geld“ bekommen.

Geld ist übrigens ein interessantes Stichwort: Wem es in Farmville nicht schnell genug geht mit dem sozialen Aufstieg durch schweißtreibende Feldarbeit, der kann sich Geld und Erfahrungspunkte, die so genannten „XP“, kaufen – für richtiges Geld. Merkwürdiger Gedanke irgendwie.

 Ich für meinen Teil baue weiterhin im virtuellen Schweiße meines Angesichts Wassermelonen und Chilischoten an, verkaufe Eier, Rosshaar und Milch und habe mich damit auf Level 25 hochgearbeitet. Manchmal stelle ich mir die Frage, ob es irgendwann einen Level gibt, wo Farmville zu Ende ist. Wo der Farmer aufs Altenteil geschoben wird, seine Felder zu Bauland erklärt werden und seine Kinder das Butterfass, den Bauernschrank und die hölzerne Schubkarre bei einem Antiquitätenhändler vertickern. Aber das ist dann wahrscheinlich doch zu dicht dran am wirklichen Landleben.