Soziale Normen fallen vom Himmel

11. Januar 2010

Plötzlich ist Facebook in aller Munde: Mark Zuckerberg, der zumindest optisch absolut goldige Gründer von Facebook, habe in einem Interview das „Ende der Privatsphäre“ ausgerufen. Das  jedenfalls wird getwittert. Schaut man sich das Video dann an, muss man zwar eingestehen, dass er es ganz so nicht gesagt hat. Aber klar: In die Richtung gehen seine Äußerungen schon. (Wer’s ganz genau wissen will: Hier ist das laaange Video)

Aufhänger für die intensive Beschäftigung mit der Privatspähre ist eine Änderung auf Facebook, die im Dezember stattfand (und die ich gar nicht bemerkt habe, weil ich ja erst seit Dezember dabei bin): Seither ist es nämlich so, dass die Angaben, die man bei der Registrierung macht (Name, Geburtsdatum, Geschlecht und dergleichen mehr) relativ geschützt waren. Nur Facebook-Freunde konnten darauf zugreifen. Jetzt ist es anders: Die Angaben sowie alles, was ich auf Facebook sage und tue, sind öffentlich lesbar. Jedenfalls so lange, bis ich mir die Mühe mache, auf meiner FB-Seite unter dem Menüpunkt „Einstellungen“ und „Privatspäre verwalten“ alles wieder auf geheim schalte. Wenn ich das will.

Die Aufregung ist trotzdem groß, weil so etwas noch nicht da war. Und weil zumindest so lange, bis ich die Einstellungen geändert habe, jeder böse Bube, neugierige Nachbar oder misstrauische Personalchef im Netz Dinge über mich erfahren kann, die nicht für ihn gedacht sind.

Aufregung gibt es aber auch, weil Zuckerbergs Begründung für diesen Schritt vielen Nutzern sauer aufstößt. Die sozialen Normen hätten sich stark verändert, sagt er. Heutzutage hätten die Menschen kein Problem mehr damit, ihre Daten im Netz mit vielen Anderen zu teilen.

Das mag so sein. Aber ist dieser Wertewandel einfach so über Facebook hereingebrochen, oder haben nicht gerade die sozialen Netzwerke, deren Vorreiter FB ist, ihn herbeigeführt? An diesem Punkt schneidet Herr Zuckerberg bei den Kritikern dann nicht mehr ganz so goldig ab.

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