Willst du mein Freund sein?

17. Januar 2010

Wer cool sein will auf Facebook, der hat auf jeden Fall eine dreistellige Anzahl von Freunden aufzuweisen. Wobei „Freunde“ nicht unbedingt mit dem gleichzusetzen ist, was man im richtigen Leben einen Freund nennt. Freunde sind alle, die man auch nur im entferntesten kennt – Klassenkameraden und ehemalige Nachbarn, Austauschschüler und Cousinen, Arbeitskollegen und Bekannte eines Ex-Freundes einer Freundin.

Wann immer man einen solchen auf Facebook entdeckt hat – sei es zufällig oder durch gezielte Suche nach dem Namen oder der e-Mail-Adresse –, dann schickt man ihm als guter Facebooker eine Freundschaftsanfrage. Dann wartet man eine Weile, ob er den Antrag annimmt, und in aller Regel hat man dann schon bald einen neuen Freund in seiner Bildergalerie.

Aber so einfach ist es gar nicht, muss ich feststellen. Zwar gibt es in meinem Bekanntenkreis viele Menschen, die dem Internet Gutes abgewinnen können. Aber leider tummeln die sich längst nicht alle bei Facebook. Schließlich gibt es ja auch noch die Konkurrenz von StudiVZ, was ziemlich genau das gleiche ist wie Facebook. Sogar unter den bekennenden iPhone-Fans und bewährten Twitterern sind einige, die keine Lust haben, „ihre Zeit in virtuellen Welten zu vertrödeln“, wie es eine (wirkliche) Freundin von mir formuliert.

So finde ich mich ratlos vor dem Computer wieder, stundenlang grübelnd, Namen eintippend, kopfschüttelnd. Selbst die berüchtigten Nerds meiner Studienzeit, von denen ich annahm, sie würden alles nutzen, was Html enthält: Fehlanzeige. Was mich allerdings auch des Gewissenskonflikts enthebt, Menschen um ihre Freundschaft zu bitten, über die ich mich zehn Semester lang lustiggemacht habe.

Am Ende verabschiede ich mich von der Idee, ich MÜSSTE mit mehr als 100 Freunden protzen. Ich komme auf eine zweistellige Anzahl von Menschen, die ich auch vor meinen Freunden aus dem wirklichen Leben nicht verstecken oder mit peinlichen Notlügen erklären muss. Und mit denen ich von nun an bei Facebook viel Spaß haben werde. Aber davon später mehr.

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