Muss das Foto cool sein?

8. Januar 2010

Fehlt nur noch eins: das Profilbild, mit dem ich für alle Nutzer erkennbar werde. Schon ein flüchtiger Blick auf die vielen Fotos von Menschen, die Facebook mir als Freunde ans Herz legen möchte, lässt mich ahnen: Ich bin der einzige Mensch weit und breit, der im Alter von 36 Jahren immer noch nicht auf wenigstens ein professionelles Fotoshooting zurückblicken kann.

Überall stoße ich auf bedeutungsschwanger ins Leere schauende Menschen in coolen Lofts, auf stillgelegten Bahngleisen oder in unfassbar großen Ansammlungen von Schnittblumen. Gern auch in Schwarz-Weiß oder in Sepia-Tönen.

Sollte man das tun? Sollte man zu einem Fotografen seiner Wahl gehen und mit den verwegen herausgepressten Worten „Fotos. Von mir. Sollen aber nichts aussehen wie ich!“ einen Wochenlohn auf den Tresen legen? Als wäre man 16 und würde darauf hoffen, von einem Modedesigner entdeckt zu werden?

Oder ist es vielleicht sowieso besser, kein Bild hochzuladen, um anonym zu bleiben? Nachdem ich in Facebook die Namen diverser Ex-Kollegen, Ex-Schulkameraden und Ex-Freunde eingegeben habe und dann jeweils auf eine ganze Liste von Menschen – ohne Foto und damit leider nicht identifizierbar – stieß, die diesen Namen tragen, habe ich mich dagegen entschieden.

Wenn auch ohne Beauty-Shooting: Foto muss schon sein. Ich will ja schließlich auch gefunden werden von meinen Ex-Freunden.