Du bist ein Gesicht

17. Dezember 2010

Das haben wir doch bestimmt alle schonmal gemacht: unseren eigenen Namen gegoogelt. Das Ergebnis schmeichelt der eigenen Eitelkeit, weil es das Gefühl einer gewissen Berühmtheit suggeriert. Auch wenn die sich nur aus Internet-Aktivitäten speisen sollte, die von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt blieben. Facebook kommt nun unserer Eitelkeit entgegen: Bald können wir nicht nur nach unserem Namen suchen, sondern auch nach unserem Gesicht – zumindest in den Weiten der Facebook-Welt.

Bislang nur in den USA führt Facebook eine automatische Gesichtserkennung ein, die dem Nutzer beim Hochladen von Bildern Vorschläge macht, wer auf diesen Bildern zu sehen ist. Stimmt man diesen Vorschlägen zu, dann werden die Bilder mit den entsprechenden Namen verschlagwortet oder, wie wir Internet-Logopathen sagen, „getaggt“. Beim Erkennen und Vorschlagen greift die Anwendung auf Personen zu, die sie schon kennt. Das sollen ausschließlich Facebook-Freunde des entsprechenden Nutzers sein, beteuert Facebook. Und sie müssen einverstanden sein: Wer nicht verschlagwortet werden will, kann diese Funktion in seinen Datenschutz-Einstellungen deaktivieren.

Und was halten wir davon? Datenschützer finden das Ganze problematisch. Ich auch. Wie so oft ist die Faszination des Machbaren groß. Aber der Grusel vor dem, was man damit anfangen könnte, wenn man vielleicht kein netter Mensch ist, auch. Denn technisch möglich wäre es theoretisch auch, die Anwendung auf ALLE Gesichter zugreifen zu lassen, die in Facebook jemals verschlagwortet wurden. Und wer garantiert mir eigentlich, dass niemand im Hintergrund genau das tut?

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Die Sicherheit: Was gebe ich preis?

5. Januar 2010

Anmelden kann man sich bei Facebook mit einigen wenigen Daten – Name, Alter, Geschlecht, e-Mail-Adresse. Wobei aus Datenschutzgründen niemand nachprüft, ob das WIRKLICH mein richtiger Name ist, ob ich vielleicht beim Alter ein wenig mogele oder mich aus unerfindlichen Gründen als Mann ausgebe.

Selbstverständlich ist es nicht so gedacht, dass man sich mit Phantasienamen oder gar dem Namen seines Intimfeindes auf Facebook bewegt. Aber reinkommen würde man erstmal.

Ist man einmal in die Gemeinschaft aufgenommen, dann kann man allerdings viele weitere Angaben machen – und es wäre naiv zu glauben, dass Facebook diese Angaben nicht nutzt. Denn für die personalisierte Werbung, die das System mir auf „meine“ Seite stellt, ist es sehr hilfreich zu wissen, in welcher Stadt ich wohne, was ich studiert habe oder über welches Netz mein Handy funkt. Und auch mein Beziehungsstatus – Single / in einer Beziehung / verlobt / verheiratet / es ist kompliziert / in einer offenen Beziehung / verwitwet – ist sicher nicht nur für potenzielle Flirtpartner interessant.

Doch man kann alle diese Fragen offenlassen, und das tu ich auch: Wozu soll ich angeben, dass ich verheiratet bin? Meine Freunde wissen das sowieso. Und mein Lieblingsbuch, Lieblingsfilm, Aktivitäten und Interessen – worüber soll ich mich dann auf der Plattform noch unterhalten, wenn schon alles gesagt ist?