Nee klar, mir geht’s super

25. Juli 2011

Facebook ist sicher kein Ersatz für normale Mensch-zu-Mensch-Kommunikation, es ist aber eine nette Ergänzung. So pflege ich meinen Verwandten-und-Bekannten den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sie Facebook (ohne es zu kennen, versteht sich) ablehnen mit Verweis auf ihre „echten“ Freundschaften und „echten“ Unterhaltungen, aufgrund derer sie Facebook nicht bräuchten.

Doch auch Facebook-Nutzer haben im echten Leben echte Freunde. Für Treffen mit ihnen ist das Freundebuch kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Auf eine der emotionalen Schwächen dieser Ergänzung wies mich unlängst eine (Facebook-)Freundin hin: Facebook ist nett, wenn es einem gut geht. Wenn man lustige Sachen erlebt, sich vielleicht mal über was ärgert oder ein bisschen lästern will. Wenn man allerdings traurig ist, Sorgen hat und sich richtig schlecht fühlt: Vergiss Facebook.

Niemand von meinen Freunden käme auf die Idee, Dinge zu posten wie „Habe seit zwei Wochen nicht geschlafen vor Sorge“. Keiner würde posten: „XY ist hier: Intensivstation“. Oder „Frage in die Runde: Wer kennt einen guten Psychotherapeuten?“ Ich würde das auch nicht tun, bestimmt nicht. Facebook-Statusmeldungen sind eher was für die heiteren Stunden.

Aber mindert das den Wert von Facebook? Auch im echten Leben erzählt man nicht JEDEM Freund solche Dinge. Und im überfüllten Bus, mit dem man das Internet gut vergleichen kann, schon gar nicht. Also: Suchst du Trost, meide Status-Updates. Schreibe Nachrichten. Oder suche die „echte“ Unterhaltung.


Ich bin gegen dem Atom und so

17. März 2011

Politisch sein ist so einfach, seit es Facebook gibt. Zum Beispiel die Atomkraft-Debatte, wieder angeheizt durch die schrecklichen Ereignisse in Japan: Während es im echten Leben ein bisschen Überwindung kostet, einen „Atomkraft? Nein Danke!“-Button an der Jacke zu tragen (zumal für Journalisten, denn wir fühlen uns ja der Neutralität verpflichtet), fällt es in Facebook viel leichter. Ist ja irgendwie privat, denkt man sich so. Was absurd ist, denn was ist öffentlicher als das Internet?

Aber Facebook verleitet ja sowieso immer wieder zu schizophrenem Verhalten: Man macht Leute zu seinen Freunden, die man kaum kennt oder kaum mag, man schreibt Dinge, die man bestimmt nicht einem Fremden im Bus erzählen würde, und man sitzt morgens, mittags und abends vor dem Rechner, obwohl man seinen Kindern predigt, dass frische Luft gesund und toll ist.

Doch Schizophrenie hin und her, ich habe es trotzdem getan – besser ein virtuelles Bekenntnis, als gar keines. Also habe auch ich meinem Profilbild einen Anti-Atomkraft-Button verpasst mit dem Link http://www.facebook.com/apps/application.php?id=127528613970751 Und schon fühle ich mich vorbildlich politisch aktiv, ohne auch nur ein einziges Mal von meinem Stuhl aufstehen zu müssen. Irgendwie bedenklich, oder?


In der Schaffenskrise

10. März 2011

Kaum habe ich mir vorgenommen, jede Woche einen Post zu schreiben, schon fällt mir nix mehr ein. Ich kann mit diesem öffentlichen Druck nicht kreativ sein, fürchte ich. Zur Auflockerung entringe ich meinem gehemmten Hirn ein Gedicht:

Die Redakteurin sitzt am Tisch
und fühlt sich weder fit noch frisch.
Denn ihr Gehirn ist öd und leer,
da hilft ihr auch kein Facebook mehr.

Ach, ich gebe ein jammervolles Bild ab. Ich brauche eure Themenvorschläge. Sonst gibt es hier bald wieder ein Gedicht, und das wollen wir doch alle nicht. Was sich schon wieder reimt. Beängstigend.


Quatsch mich nicht an

3. März 2011

Die Chatbox unten rechts fand ich zu meinen Facebook-Anfangszeiten ganz toll. Sie zeigte mir an, wer von meinen Freunden gerade online war. Und manchmal poppte sie auch plötzlich auf und begann mit mir zu sprechen. Naja, nicht direkt die Box, aber jemand von meinen Freunden, der auch gerade online war. Da ergaben sich tolle Gespräche mit lustigen Wendungen und ungeahnten Erkenntnissen. Das war Stufe 1.

Stufe 2 war, als die Chatbox anfing, mich ein bisschen zu nerven. Kaum war ich mal für zwei Minuten online, um kurz zu gucken, was so los ist, schon wurde ich angechattet, und leider nicht immer von denjenigen, mit denen ich gerade ein Schwätzchen halten wollte. Nachdem mich das eine ganze Weile so begleitet hatte und ich langsam tolle Strategien für das Beenden ungewünschter Online-Unterhaltungen entwickelt hatte, begann ich Stufe 3 herbeizusehnen: die schweigende Chatbox. Wie so viele Dinge auf Facebook lässt sie sich einrichten, wenn man nur weiß wie.

Stufe 3: Chatbox offline stellen
. So geht’s: Am oberen Rand der Chatbox gibt es die Wörter „Freundeslisten“ und „Optionen“. Klicke ich auf „Optionen“, bietet mir das Menü, das dann aufklappt, verschiedene Möglichkeiten an. Die oberste heißt „Offline gehen“. Klicke ich darauf, dann kann mich keiner mehr anchatten. Ich kann allerdings auch nicht mehr sehen, wer gerade online ist. Genau wie andersherum: Meine Freunde wissen jetzt nicht mehr auf einen Blick, ob ich gerade in Facebook bin. Wie schön.


Facebook weiß, wie’s mir geht

26. Januar 2011

Ich mag ja die Wise Guys sowieso. Ich bin überzeugt davon, dass Deutschland die nächste Pisa-Studie gewinnen würde, wenn alle achten Klassen statt Shakespeares „Hamlet“ den gleichnamigen Song des A-Capella-Quintetts im Deutschunterricht durchnehmen würden. Aber was mich zurzeit erfreut, ist – sonst wäre es ja in diesem Blog völlig fehl am Platze – das Lied mit dem schönen Titel „Facebook“. Es bringt diese Mischung aus Faszination und Abscheu toll rüber, die auch ich dem Ganzen entgegenbringe. So nach dem Motto: Facebook ist albern und überflüssig, aber ich mache trotzdem begeistert mit. Oder, wie eine mir nahestehende Person männlichen Geschlechts sagte, nachdem ich ihr begeistert das Video gezeigt hatte: „Das ist lustig. Aber was lernst du draus?“ Naja, nichts halt.


Du bist ein Gesicht

17. Dezember 2010

Das haben wir doch bestimmt alle schonmal gemacht: unseren eigenen Namen gegoogelt. Das Ergebnis schmeichelt der eigenen Eitelkeit, weil es das Gefühl einer gewissen Berühmtheit suggeriert. Auch wenn die sich nur aus Internet-Aktivitäten speisen sollte, die von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt blieben. Facebook kommt nun unserer Eitelkeit entgegen: Bald können wir nicht nur nach unserem Namen suchen, sondern auch nach unserem Gesicht – zumindest in den Weiten der Facebook-Welt.

Bislang nur in den USA führt Facebook eine automatische Gesichtserkennung ein, die dem Nutzer beim Hochladen von Bildern Vorschläge macht, wer auf diesen Bildern zu sehen ist. Stimmt man diesen Vorschlägen zu, dann werden die Bilder mit den entsprechenden Namen verschlagwortet oder, wie wir Internet-Logopathen sagen, „getaggt“. Beim Erkennen und Vorschlagen greift die Anwendung auf Personen zu, die sie schon kennt. Das sollen ausschließlich Facebook-Freunde des entsprechenden Nutzers sein, beteuert Facebook. Und sie müssen einverstanden sein: Wer nicht verschlagwortet werden will, kann diese Funktion in seinen Datenschutz-Einstellungen deaktivieren.

Und was halten wir davon? Datenschützer finden das Ganze problematisch. Ich auch. Wie so oft ist die Faszination des Machbaren groß. Aber der Grusel vor dem, was man damit anfangen könnte, wenn man vielleicht kein netter Mensch ist, auch. Denn technisch möglich wäre es theoretisch auch, die Anwendung auf ALLE Gesichter zugreifen zu lassen, die in Facebook jemals verschlagwortet wurden. Und wer garantiert mir eigentlich, dass niemand im Hintergrund genau das tut?


„Gefällt mir nicht“ ist böse

18. August 2010

Gefällt uns ein Beitrag auf Facebook, dann klicken wir braven Facebookisten auf den Button mit den Worten „Gefällt mir“. Damit es auch jeder weiß, bei welchen Videos wir schmunzeln, welche Freizeitaktivitäten der Kollegen wir begrüßen und mit wessen Befindlichkeiten wir mitfiebern.

Aber oft – ach, sooo oft – möchte man ja eigentlich gern einen Button haben, der „Gefällt mir nicht“ sagt. Stimmt’s?

Diesen häufig geäußerten Wunsch nach einem „Dislike-Button“ machen sich jetzt offenbar böse Menschen zunutze: Der Virenschutzanbieter Sophos warnt vor dem „Dislike-Trick“, der in Form einer vielversprechenden Mitteilung seine Opfer finde. Sie verspricht die Installation des gewünschten Missfallens-Buttons. Doch beim Klick auf den Link zu dem angeblichen Button wird laut Sophos eine Anwendung gestartet, „die sich für den Anwender unbemerkbar  Zutritt zu deren Profileinstellungen verschafft“. Und nicht nur das: Der böse Dislike-Trickser kann dann auch in meinem Namen Unmengen von Spam an andere Nutzer verschicken – wie peinlich.

Also: Augen auf beim Button-Kauf!