Willst du mein Freund sein?

Wer cool sein will auf Facebook, der hat auf jeden Fall eine dreistellige Anzahl von Freunden aufzuweisen. Wobei „Freunde“ nicht unbedingt mit dem gleichzusetzen ist, was man im richtigen Leben einen Freund nennt. Freunde sind alle, die man auch nur im entferntesten kennt – Klassenkameraden und ehemalige Nachbarn, Austauschschüler und Cousinen, Arbeitskollegen und Bekannte eines Ex-Freundes einer Freundin.

Wann immer man einen solchen auf Facebook entdeckt hat – sei es zufällig oder durch gezielte Suche nach dem Namen oder der e-Mail-Adresse –, dann schickt man ihm als guter Facebooker eine Freundschaftsanfrage. Dann wartet man eine Weile, ob er den Antrag annimmt, und in aller Regel hat man dann schon bald einen neuen Freund in seiner Bildergalerie.

Aber so einfach ist es gar nicht, muss ich feststellen. Zwar gibt es in meinem Bekanntenkreis viele Menschen, die dem Internet Gutes abgewinnen können. Aber leider tummeln die sich längst nicht alle bei Facebook. Schließlich gibt es ja auch noch die Konkurrenz von StudiVZ, was ziemlich genau das gleiche ist wie Facebook. Sogar unter den bekennenden iPhone-Fans und bewährten Twitterern sind einige, die keine Lust haben, „ihre Zeit in virtuellen Welten zu vertrödeln“, wie es eine (wirkliche) Freundin von mir formuliert.

So finde ich mich ratlos vor dem Computer wieder, stundenlang grübelnd, Namen eintippend, kopfschüttelnd. Selbst die berüchtigten Nerds meiner Studienzeit, von denen ich annahm, sie würden alles nutzen, was Html enthält: Fehlanzeige. Was mich allerdings auch des Gewissenskonflikts enthebt, Menschen um ihre Freundschaft zu bitten, über die ich mich zehn Semester lang lustiggemacht habe.

Am Ende verabschiede ich mich von der Idee, ich MÜSSTE mit mehr als 100 Freunden protzen. Ich komme auf eine zweistellige Anzahl von Menschen, die ich auch vor meinen Freunden aus dem wirklichen Leben nicht verstecken oder mit peinlichen Notlügen erklären muss. Und mit denen ich von nun an bei Facebook viel Spaß haben werde. Aber davon später mehr.

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3 Responses to Willst du mein Freund sein?

  1. Franzi sagt:

    Ich glaube, dass wir in einem relativ engen sozialen Flechtwerk in der Realität leben und daher viele einfach noch nicht den Sinn in der virtuellen Community sehen… Wieso sollte ich Freundinnen über Facebook meinen Status bloggen, wenn ich sie täglich beim Gang zum Bäcker sehe?Sind wir höchstens mit Studi-VZ in den letzten 8 Jahren vertraut, ist die nächste Generation (-10 Jahre) doch im www mit ihrem sozialen Umfeld zuhause oder?

  2. Eva sagt:

    Eine dreistellige Anzahl an Freunden? Um Gottes Willen! Gott sei Dank hab ich von dieser goldenen Facebook-Regel bislang noch nichts gehört! Seit ich dabei bin, verteidige ich meine Freundesliste vehement gegen Bekannte, ehemalige Schulkameraden (mit Ausnahme von den zwei oder drei Leuten, mit denen ich auch außerhalb von Facebook noch Kontakt habe) und Menschen, denen ich irgendwann mal in der U-Bahn begegnet bin! Dafür kann ich mit Stolz verkünden: Wer in meiner Freundesliste steht, hat mit mir schon das eine oder andere Bierchen gekippt – auch wenn das vielleicht schon eine Weile her ist 🙂

  3. Alexandra sagt:

    Hallo!

    Heute oute ich mich; denn ich habe nur 23 Freunde bei facebook ! 😉

    Auch ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute garnicht erst bei facebook sind !?
    (Zum Vergleich: Bei studivz sind es WESENTLICH mehr…)

    Ich finde Menschen, die dreistellige Freundeslisten in soz. Netzwerken besitzen, eher zweifelhaft.

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